SGNL I/II/III: Kalendergeschichten
Dozent:innen: Dr. Johannes UllmaierKurzname: SGNL I
Kurs-Nr.: 05.067.880
Kurstyp: Seminar
Empfohlene Literatur
Textgrundlage:- Brecht, Bertolt: Kalendergeschichten (1949). Mit einem Kommentar v. Denise Kratzmeier. Berlin: Suhrkamp 2013 (=sbb; 131).
- Kalendergeschichten. Hg. v. Winfried Theiss. Stuttgart: Reclam 1977 (OA: geb.; =RUB 9872).
- Hebel, Johann Peter: Der rheinische Hausfreund. Faksimile-Druck der Jahrgänge 1808-1815 u. 1819. Hg. v. Ludwig Rohner. 2 Bde. Wiesbaden: Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion 1981.
- Hebel, Johann Peter: Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes. Kritische Gesamtausgabe. Hg. v. Winfried Theiss. Stuttgart: Reclam 1999 (RUB; 142).
Weitere Texte und Faksimiles werden in einem Moodle-Reader bereitgestellt.
zur Einführung - Literaturwissenschaft:
- Knopf, Jan: Die deutsche Kalendergeschichte. Ein Arbeitsbuch. Frankfurt am Main: Suhrkamp1983 (stb; 2030).
- Der Kalender als Fibel des Alltagswissens. Hg. v. York-Gothart Mix. Tübingen: Niemeyer 2005.
- Rohner, Ludwig: Kalendergeschichte und Kalender. Wiesbaden: Athenaion 1978.
zur Einführung - Zeittheorie und Kalenderwissenschaft:
- Keller, Hans-Ulrich: Kompendium der Chronologie. Einführung in die Wissenschaft von der Zeit. Stuttgart: Kosmos/Francke 2022.
- Lenz, Hans: Kleine Geschichte der Zeit. Wiesbaden: Marix 2018.
- Schlag, Hannes E.: Ein Tag zuviel. Aus der Geschichte des Kalenders. Würzburg: Königshausen & Neumann 1998. (NA: Gersbach: Katz 2008)
Inhalt
Die Zeit der Kalendergeschichte gilt als lang abgelaufen. Zwar halten regionale Druckkalender wie der Lahrer Hinkende Bote oder der (nur vermeintlich digitalaffine) Hinkende Bot im Kanton Bern sich seit Jahrhunderten beeindruckend konstant. Auch gibt es nach wie vor populäre Printkalender mit markantem Textanteil, ob Reclams bewährter Literaturkalender oder jüngst etwa „Der Kalender des Scheiterns“ von Nico Semsrott (u.a.) oder „Der falsche Kalender“ von Marc-Uwe Kling. Doch jene spezielle Tradition kurzer Prosaerzählungen, wie sie in Kalendern seit dem 17. bis ins späte 19. Jahrhundert üblicherweise neben Angaben zu Festen und Namenstagen, zum Mondaufgang, Wetterprognosen, praktischen Tipps und allerlei Vermischtem mit abgedruckt waren und so auch Menschen erreichten, die mit schriftlicher Literatur sonst wenig in Berührung kamen, scheint im Laufe des 20. Jahrhunderts weitgehend versiegt.Indes gibt auch heute gute Gründe, sich mit der Kalendergeschichte zu beschäftigen. Nicht nur erreicht sie im deutschsprachigen Raum Anfang des 19. Jahrhunderts mit Johann Peter Hebels Beiträgen zum von ihm selbst reformierten und redigierten „Rheinischen Hausfreund“ weltliterarischen Rang (und zeitigt mit „Unverhofftes Wiedersehen“ die laut Ernst Bloch „schönste Geschichte der Welt“), sondern auch gattungsgeschichtlich bleibt sie unter vielen Gesichtspunkten lehrreich, am eindrücklichsten als Paradigma für das mediale Migrationspotential kleiner Formen, die – anderswo vorgeprägt (im Fall der Kalendergeschichte etwa als Anekdote, Sage, Schwank, Predigtexempel u.a.) – in einen bestimmten, hier stark funktional determinierten Medienkontext einwandern und sich dort eigenwertig ausprägen, von dort aber alsbald in andere Medienhabitate weitersiedeln (bei der Kalendergeschichte vor allem in literarische Almanache oder Buchanthologien, am prominentesten Hebels „Schatzkästlein“ von 1811), um schließlich wieder aus- bzw. in die Literatur zurückzuwandern (wie etwa bei Max Frisch, dessen sogenannte „Kalendergeschichte“ im Rahmen seines Suhrkamp-Debüts „Tagebuch 1946-1949“ erschien). Zudem lädt der Kalenderbezug besonders dazu ein, systematisch nach den Zeitbezügen kleiner Prosaformen zu fragen, sei es in Produktion, Rezeption oder Erzählweise.
Das Seminar unternimmt den Versuch, sich gemeinsam einen Überblick über die Traditionen, Formen und Funktionen der Kalendergeschichte zu erarbeiten und an ausgewählten Beispielen zu vertiefen. Auf dem Programm stehen Geschichten von Hans Jakob Christoffel Grimmelshausen, Christian Friedrich Daniel Schubart, Johann Peter Hebel, Berthold Auerbach, Ludwig Anzengruber, Emil Rosenow, Oskar Maria Graf und Bertolt Brecht. Weiteres wird sich finden.
Termine
| Datum (Wochentag) | Zeit | Ort |
|---|---|---|
| 20.04.2023 (Donnerstag) | 16:15 - 17:45 | 01 501 Seminarraum 1137 - Georg-Forster-Gebäude (Sowi) |
| 27.04.2023 (Donnerstag) | 16:15 - 17:45 | 01 501 Seminarraum 1137 - Georg-Forster-Gebäude (Sowi) |
| 04.05.2023 (Donnerstag) | 16:15 - 17:45 | 01 501 Seminarraum 1137 - Georg-Forster-Gebäude (Sowi) |
| 11.05.2023 (Donnerstag) | 16:15 - 17:45 | 01 501 Seminarraum 1137 - Georg-Forster-Gebäude (Sowi) |
| 25.05.2023 (Donnerstag) | 16:15 - 17:45 | 01 501 Seminarraum 1137 - Georg-Forster-Gebäude (Sowi) |
| 01.06.2023 (Donnerstag) | 16:15 - 17:45 | 01 501 Seminarraum 1137 - Georg-Forster-Gebäude (Sowi) |
| 15.06.2023 (Donnerstag) | 16:15 - 17:45 | 01 501 Seminarraum 1137 - Georg-Forster-Gebäude (Sowi) |
| 22.06.2023 (Donnerstag) | 16:15 - 17:45 | 01 501 Seminarraum 1137 - Georg-Forster-Gebäude (Sowi) |
| 29.06.2023 (Donnerstag) | 16:15 - 17:45 | 01 501 Seminarraum 1137 - Georg-Forster-Gebäude (Sowi) |
| 06.07.2023 (Donnerstag) | 16:15 - 17:45 | 01 501 Seminarraum 1137 - Georg-Forster-Gebäude (Sowi) |
| 13.07.2023 (Donnerstag) | 16:15 - 17:45 | 01 501 Seminarraum 1137 - Georg-Forster-Gebäude (Sowi) |
| 20.07.2023 (Donnerstag) | 16:15 - 17:45 | 01 501 Seminarraum 1137 - Georg-Forster-Gebäude (Sowi) |
