SFNL I/II: Erzählrahmen
Dozent:innen: Dr. Johannes UllmaierKurzname: SFNL
Kurs-Nr.: 05.067.778
Kurstyp: Seminar
Empfohlene Literatur
Quellen:
Boccaccio, Giovanni: Das Decameron. Mit den Holzschnitten der venezianischen Ausgabe von 1492. Ditzingen: Reclam 2024.
Goethe, Johann Wolfgang: Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten. Stuttgart: Reclam 1991.
Haas, Wolf: Wackelkontakt. München: Hanser 2025.
Hoffmann, E.T.A: Die Serapionsbrüder. 4. Auflage. Frankfurt a.M.: Deutscher Klassiker Verlag 2025.
Musil, Robert: Die Amsel (1928). Mit einem Nachwort von Oliver Pfohlmann. Salzburg: Jung und Jung 2021.
Storm, Theodor: Der Schimmelreiter. Lektüreschlüssel XL. Lektüreschlüssel mit Inhaltsangabe, Interpretationen, Prüfungsaufgaben mit Lösungen, Lernglossar. Stuttgart: Reclam 2017.
Storm, Theodor: Der Schimmelreiter. Reclam XL – Text und Kontext. Textausgabe mit Kommentar und Materialien. Stuttgart: Reclam 2021.
Storm, Theodor: Der Schimmelreiter. Stuttgart: Reclam 2001.
Tausendundeine Nacht (nach der bis dato ältesten bekannten arabischen Handschrift in der Ausgabe von Muhsin Mahdi: Alf laila wa-laila). Übersetzt von Claudia Ott. München: Beck 102009.
Tausendundeine Nacht. Übersetzt von Claudia Ott. Vollständige Hörbuchausgabe, gelesen von Heikko Deutschmann, Marlen Diekhoff, Eva Mattes, Katja Riemann, Charlotte Schwab, Elisabeth Schwarz. 24 CDs. Hamburg: Hörbuchverlag 2004.
Tieck, Ludwig. Schriften in 12 Bänden. Band 6: Phantasus. Frankfurt a.M.: Deutscher Klassiker Verlag 1985.
Witzel, Frank: Ein Leben im Ton (Regie: Leonhard Koppelmann, Hessischer Rundfunk 2024).
Witzel, Frank: Vondenloh. Hamburg: Textem 2008 (NA: Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2018).
Forschung:
Beck, Andreas: Geselliges Erzählen in Rahmenzyklen: Goethe – Tieck – E.T.A. Hoffmann. Heidelberg: Winter 2008 (Beiträge zur neueren Literaturgeschichte Folge 3; 251).
Bracher, Hans: Rahmenerzählung und Verwandtes bei G. Keller, C. F. Meyer und Th. Storm: Ein Beitrag zur Technik der Novelle. Reprograph. Nachdr. d. Ausg. Leipzig 1909. Hildesheim: Gerstenberg 1975.
Genette, Gérard: Die Erzählung. 3., durchges. und korr. Aufl. Paderborn: Fink 2010.
Genette, Gérard: Metalepse. Hannover: Wehrhahn 2018.
Genette, Gérard: Paratexte. Das Buch vom Beiwerk des Buches (1989). Berlin: Suhrkamp 2021.
Jäggi, Andreas: Die Rahmenerzählung im 19. Jahrhundert: Untersuchungen zur Technik und Funktion einer Sonderform der fingierten Wirklichkeitsaussage. Bern u.a.: Lang 1994 (Narratio; 10).
Kleinschmidt, Christoph / Japp, Uwe (Hg.): Der Rahmenzyklus in den Europäischen Literaturen: von Boccaccio bis Goethe, von Chaucer bis Gernhardt. Heidelberg: Universitätsverlag Winter 2018 (Germanisch-romanische Monatsschrift; Beiheft 91).
Marz, Ehrhard: Goethes Rahmenerzählungen (1794–1821): Untersuchungen zur Goetheschen Erzählkunst. Frankfurt a.M. u.a.: Lang 1985.
Mielke, Christine: Zyklisch-serielle Narration: Erzähltes Erzählen von 1001 Nacht bis zur TV-Serie. Berlin: De Gruyter 2012 (spectrum Literaturwissenschaft / spectrum Literature; 6).
Schmid, Wolf: Elemente der Narratologie. 3. Auflage. Berlin: De Gruyter 2005 (= Narratologia; 8).
Staden, Kjara von: Metanarration Transmedial: Studien zum Erzähltext, Drama, Film und Comic. Berlin/Boston: De Gruyter 2025.
Waszak, Tomasz: Fiktionsstufen: Von Sinn und Chance ihrer Nivellierung. Berlin: Metzler 2026.
Inhalt
„Wenn im Rahmen dieser Vorankündigung zu erklären versucht wird, was im Rahmen dieses Seminars über Erzählrahmen im Rahmen der Studienordnung, der Semesterzeit, des Raums, der Winterwitterung, der Gesundheitslage, der narratologischen und anderer Vorkenntnisse sowie der Erkenntnis- und anderer Interessen der Beteiligten angestrebt und zu erreichen sei, fällt schon im ersten Halbsatz auf, dass ‚Rahmen‘ offenbar ein dehnbarer Begriff ist“, meinte jemand aus dem Nichts.„Zu wahr“, fährt der Text mit anderer Stimme und auf neuer Ebene fort, „denn Ende 2026 kann es in so einem Seminar nicht mehr nur um den traditionellen Unterschied zwischen ‚Rahmenerzählung‘ und ‚Binnenerzählung‘, um den zwischen ‚extradiegetischem‘, ‚intradiegetischem‘ und ‚metadiegetischem‘ Erzählen (Gérard Genette) oder um die Rahmenordnung von ‚konkretem‘ und ‚abstraktem Autor‘, ‚fiktivem Erzähler‘, ‚Figur‘ und ‚zitierter Welt‘ (Wolf Schmid) gehen (obwohl das, wie ich (die Herausgeberin, die diesen Text auf einer alten Floppy Disk gefunden hat) finde, doch nach wie vor die Basis sein muss), sondern es müssten neben den offiziellen bzw. sichtbaren auch die informellen bzw. unsichtbaren Erzählrahmen mit in den Blick kommen, neben den konsistenten auch die inkonsistenten und neben den klassischen auch erst jüngst entstandene; ferner die medialen, sozialen, ökonomischen, psychologischen, physiologischen und neurologischen Rahmungen, die das Erzählen, Zuhören oder Lesen (und damit eine Pause im aktiven Leben (auch beim Töten)) überhaupt erst möglich machen.“
„Puh, wird das nicht ein bisschen viel?“ denken sich die Lesenden und der Seminarleiter, der dem Ganzen ja am Ende ([{bitte lieber gleich}]) irgendeinen handhabbaren Rahmen geben muss. Und hätte er 2028 schon gewusst, dass alles, was noch jemanden erreichen soll, auf ein Display und in neun Sekunden passen muss, um prallgefüllte Mindsets nicht zu sprengen, wäre dieser Satz wohl gar nicht in die Ankündigung gelangt, weil ich das ja jetzt noch gar nicht wissen kann, dachte sie (was aber, wenn der Text (wie jetzt) mal fertig ist, „wird sie denken müssen“ heißen müssen wird, oder?), fragte der Autor, der den Überblick verloren und Angst vor ungewollten Metalepsen hatte – beschied ihm das Generative Sprachmodell auf meine faule Bitte, einen Ankündigungstext für ein „Erzählrahmen“-Seminar zu schreiben, den ein Generatives Sprachmodell so gerade noch nicht schreiben könnte und der die narratologische Problemlage möglichst verwirrend pointiert. Anführungszeichen zu. Buch zu. (Bildschirm [auge {wachbewusstsein}]) weiter an.)
Ziel des Seminars ist es, gegebenenfalls selbst so verdrehte Szenarien wie das eben aufgerissene in seiner Gesamtstruktur und seinen einzelnen Komponenten strukturell erfassen und deren Wirkungspotentiale einschätzen zu können. Dazu gilt es zunächst, einige der einschlägigen – und teils konkurrierenden – erzähltheoretischen Rahmenkonzepte und -modelle zu rekapitulieren, was am Beispiel von Robert Musils Erzählung Die Amsel (1928) und Theodor Storms Novelle Der Schimmelreiter (1888) geschehen soll. In einer weiteren Erschließungsstufe sei der Blick vergleichend auf die Anlage und Funktion klassischer Rahmenerzählungen im Gefolge von Boccaccios Decamerone (um 1350) gerichtet, wofür in der deutschsprachigen Literatur am prominentesten J.W. Goethes Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten (1795), Ludwig Tiecks Phantasus (1812/1816) und E.T.A. Hoffmanns Die Serapionsbrüder (1819-21) stehen. Parallel dazu sollen Sonderformen und transmediale Aspekte der Erzählrahmen-Gestaltung und -Entfesselung betrachtet werden, etwa anhand von Wolf Haas’ Wackelkontakt (2025) im Rückabgleich zu E.T.A. Hoffmanns Lebens-Ansichten des Katers Murr (1819/1821), ferner von Frank Witzels Roman Vondenloh (2008) und dessen Hörspiel Ein Leben im Ton (2024) sowie dem weltliterarischen Blueprint aller überlebensnotwendigen Erzählrahmenverflechtungskunst: Tausendundeine Nacht.
Zusätzliche Informationen
Hinweis zum Seminarablauf:
Nach einführenden Informationen und einer thematischen Hinführung werden Expertisengruppen gebildet, die sich jeweils in ein Teilsegment des Seminarkontextes einarbeiten und es in mehreren Arbeitsphasen mit dem Ziel erschließen, die Ergebnisse für den Gesamtzusammenhang der gemeinsamen Themenerkundung und damit insbesondere auch für alle jeweils anderen Expertisengruppen so aussagekräftig werden zu lassen, dass sie wechselseitig produktiv zu adaptieren sind. In der Mitarbeit an einer dieser Expertisengruppen besteht die Aktive Teilnahme.
So entsteht im besten Fall zugleich eine valide Basis für die individuelle Modulprüfungsleistung. Diese hat die Form einer schriftlichen Seminararbeit, die einer weiterführenden Fragestellung nachgeht. Sie kann direkt aus der eigenen Expertisengruppenarbeit hervorgehen und an deren Resultate anknüpfen, muss das jedoch nicht – solange ihr Thema sich im Seminarkosmos bewegt.
Termine
| Datum (Wochentag) | Zeit | Ort |
|---|---|---|
| 23.10.2026 (Freitag) | 14:15 - 15:45 | 00 465 P12 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 30.10.2026 (Freitag) | 14:15 - 15:45 | 00 465 P12 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 06.11.2026 (Freitag) | 14:15 - 15:45 | 00 465 P12 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 13.11.2026 (Freitag) | 14:15 - 15:45 | 00 465 P12 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 20.11.2026 (Freitag) | 14:15 - 15:45 | 00 465 P12 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 27.11.2026 (Freitag) | 14:15 - 15:45 | 00 465 P12 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 04.12.2026 (Freitag) | 14:15 - 15:45 | 00 465 P12 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 11.12.2026 (Freitag) | 14:15 - 15:45 | 00 465 P12 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 18.12.2026 (Freitag) | 14:15 - 15:45 | 00 465 P12 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 08.01.2027 (Freitag) | 14:15 - 15:45 | 00 465 P12 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 15.01.2027 (Freitag) | 14:15 - 15:45 | 00 465 P12 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 22.01.2027 (Freitag) | 14:15 - 15:45 | 00 465 P12 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 29.01.2027 (Freitag) | 14:15 - 15:45 | 00 465 P12 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 05.02.2027 (Freitag) | 14:15 - 15:45 | 00 465 P12 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 12.02.2027 (Freitag) | 14:15 - 15:45 | 00 465 P12 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
