Lehre am Deutschen Institut

HNDL/ SFNL I-V/SNDL: Der Verführer in der Literatur. Von Tirso de Molina bis Peter Handke

Dozent:innen: apl. Prof. Dr. Gunther Nickel
Kurzname: HNDL
Kurs-Nr.: 05.067.1130
Kurstyp: Hauptseminar

Empfohlene Literatur

Knut Amelung: Die Anstiftung als korrumpierende Aufforderung zu strafbedrohtem Verhalten. In: Andreas Hoyer, Henning E. Müller, Michael Pawlik, Jürgen Wolter (Hrsg.): Festschrift für Friedrich-Christian Schroeder zum 70. Geburtstag. Heidelberg 2006, S. 147-178.

Jean Baudrillard: Von der Verführung. Mit einem Essay von Lázlo F. Földényi. München 1992.

Bork, Claudia: Femme fatale und Don Juan. Ein Beitrag zur Motivgeschichte der literarischen Verführergestalt. Hamburg 1992.

Dieckmann, Friedrich: Die Geschichte Don Giovannis. Frankfurt am Main, Leipzig 1991.

Gnüg, Hiltrud: Don Juan. Ein Mythos der Neuzeit. Bielefeld 1993.

Gnüg, Hiltrud: Don Juan. Eine Einführung. München, Zürich 1989.

Gnüg, Hiltrud: Don Juans theatralische Existenz. Typ und Gattung. München 1974.

Göbler, Frank (Hrsg.): Don Juan – Don Giovanni – Don Zuan. Europäische Deutungen einer theatralen Figur. Tübingen 2004.

Haustedt, Birgit: Die Kunst der Verführung. Zur Reflexion der Kunst im Motiv der Verführung bei Jean Paul, E. T. A. Hoffmann, Kierkegaard und Brentano. Stuttgart 1992.

Haustedt, Birgit: Die Kunst der Verführung. Frankfurt am Main, Leipzig 1997 (Anthologie).

Susanne Illmer: Die Macht der Verführer. Liebe, Geld, Wissen, Kunst und Religion in
Verführungsszenarien des 18. und 19. Jahrhunderts. Dresden 2007.

Jacobs, Hans J.: Don Juan – heute. Die “Don-Juan-Figur” im Drama des zwanzigsten Jahrhunderts. Mythos und Konfiguration. Rheinbach-Merzbach 1989.

Lindner, Sigrid A.: Der Don Juan-Stoff in Literatur, Musik und Bildender Kunst. Eine Analyse ausgewählter Bearbeitungen unter besonderer Berücksichtigung medienspezifischer Gesichtspunkte. Bochum 1980.

Konrad Paul Liessmann: Ästhetik der Verführung. Kierkegaards Konstruktion der Erotik aus dem Geiste der Kunst. Wien 2005.

Niklas Luhmann: Liebe als Passion. Zur Codierung von Intimität. Frankfurt am Main 1998.

Müller-Kampel, Beatrix: Dämon – Schwärmer – Biedermann. Don Juan in der deutschen
Literatur bis 1918. Berlin 1993.

Müller-Kampel, Beatrix: Mythos Don Juan. Zur Entwicklung eines männlichen Konzepts. Leipzig 1999 (Anthologie).

Schmitz, Walter: Don Juan in der europäischen Literatur. Kapitel aus der Geschichte einer Symbolgestalt. In: Ders. (Hrsg.): Frischs Don Juan. Frankfurt am Main 1985, S. 208-262.

Jürgen Wertheimer: Don Juan und Blaubart. Erotische Serientäter in der Literatur. München 1999.
Wittmann, Brigitte (Hrsg.): Don Juan. Darstellung und Deutung. Darmstadt 1976.

Inhalt

Verführung ist die gezielte, aber subtile Beeinflussung von Wahrnehmung, Gefühl und Begehren: Sie lenkt die Entscheidungsfreiheit des anderen nicht durch Zwang, sondern durch Attraktion und verheißungsvolle Suggestion in eine bestimmte Richtung. Bei Søren Kierkegaard erscheint sie als dezidiert ästhetische Strategie: Der Verführer erzeugt Möglichkeiten, Stimmungen und Erwartungen, um im Gegenüber ein bestimmtes Selbst- und Weltverhältnis hervorzurufen – so, dass die Freiheit am Ende freiwillig genau das begehrt, was ihr nahegelegt wurde.

In der Literatur nimmt der Verführer unterschiedliche Gestalten an. In Tirso de Molinas El burlador de Sevilla y convidado de piedra tritt er als archetypischer Sünder auf, der die göttliche Ordnung provokant herausfordert und damit zugleich als warnendes Exempel dient. In Mozarts und Da Pontes Don Giovanni wird er zum letzten, spöttisch-überlegenen Libertin. Bei Ludwig Tieck (William Lovell) erhält er melancholisch-nihilistische Züge. Im Realismus und mehr noch im Naturalismus verliert er seine metaphysische Aura und wird zum sozialen Typus. Erst im und nach dem Fin de Siècle erfährt er eine erneute Ästhetisierung: Bei Arthur Schnitzler und Frank Wedekind erscheint er als dandyhafter, raffinierter, sexuell ambivalenter Spieler mit Masken, der die Geschlechterrollen in eine Krise führt. Parallel tritt die femme fatale als aktive Verführerin hervor (Wedekinds Lulu). Bertolt Brecht zeigt in Baal eine asozial-parasitäre Variante. In Thomas Mann Erzählung Mario und der Zauberer und seinem Essay Bruder Hitler rückt die politische Dimension, vor allem eine Verwandtschaft des Politischen und des Ästhetischen in den Blick. Die späteren, Bearbeitungen – Max Frischs Don Juan oder die Liebe zur Geometrie (1953) oder Robert Menasses Don Juan de la Mancha oder Die Erziehung der Lust (2007) – dekonstruieren den Typus ironisch.

Im Seminar soll diese hier skizzenhaft angedeutete Entwicklungsgeschichte genauer nachgezeichnet werden. Dabei werden die Grenzen der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft immer wieder beherzt überschritten: Wir wenden uns der Philosophie (Kierkegaard, Adorno, Baudrillard), der Soziologie (Luhmann), der Politik (Thomas Mann), der spanischen (Tiro de Molina), der französischen (Choderlos de Laclos) und der skandinavischen Literatur (Jan Kjærstad) zu, ebenso der Musik (Mozart) und dem Film (Eiskalte Engel, Don Juan de Marco). Ziel ist es, die vielfältigen Konfigurationen von Verführung als ästhetische, ethische und soziale Praxis in ihren historischen Wandlungen zu beleuchten.

Termine

Datum (Wochentag) Zeit Ort
20.10.2026 (Dienstag) 16:15 - 17:45 01 471 ÜR Deutsches Institut
1141 - Philosophisches Seminargebäude
27.10.2026 (Dienstag) 16:15 - 17:45 01 471 ÜR Deutsches Institut
1141 - Philosophisches Seminargebäude
03.11.2026 (Dienstag) 16:15 - 17:45 01 471 ÜR Deutsches Institut
1141 - Philosophisches Seminargebäude
10.11.2026 (Dienstag) 16:15 - 17:45 01 471 ÜR Deutsches Institut
1141 - Philosophisches Seminargebäude
17.11.2026 (Dienstag) 16:15 - 17:45 01 471 ÜR Deutsches Institut
1141 - Philosophisches Seminargebäude
24.11.2026 (Dienstag) 16:15 - 17:45 01 471 ÜR Deutsches Institut
1141 - Philosophisches Seminargebäude
01.12.2026 (Dienstag) 16:15 - 17:45 01 471 ÜR Deutsches Institut
1141 - Philosophisches Seminargebäude
08.12.2026 (Dienstag) 16:15 - 17:45 01 471 ÜR Deutsches Institut
1141 - Philosophisches Seminargebäude
15.12.2026 (Dienstag) 16:15 - 17:45 01 471 ÜR Deutsches Institut
1141 - Philosophisches Seminargebäude
22.12.2026 (Dienstag) 16:15 - 17:45 01 471 ÜR Deutsches Institut
1141 - Philosophisches Seminargebäude
12.01.2027 (Dienstag) 16:15 - 17:45 01 471 ÜR Deutsches Institut
1141 - Philosophisches Seminargebäude
19.01.2027 (Dienstag) 16:15 - 17:45 01 471 ÜR Deutsches Institut
1141 - Philosophisches Seminargebäude
26.01.2027 (Dienstag) 16:15 - 17:45 01 471 ÜR Deutsches Institut
1141 - Philosophisches Seminargebäude
02.02.2027 (Dienstag) 16:15 - 17:45 01 471 ÜR Deutsches Institut
1141 - Philosophisches Seminargebäude
09.02.2027 (Dienstag) 16:15 - 17:45 01 471 ÜR Deutsches Institut
1141 - Philosophisches Seminargebäude