Dr. Timothy Attanucci


Sprechstunde

Mittwoch 14-15 Uhr, Raum 01-922 (WiSe 2017/2018)


Wissenschaftliche Biographie

Nach einem Studium der Germanistik und der Komparatistik an den Universitäten Harvard (B.A., 2003), Tübingen und Paris IV – Sorbonne (M.A., 2004) promovierte Timothy Attanucci 2012 im Fach Germanistik an der Universität Princeton mit einer Arbeit zur Poetik der Erdgeschichte am Beispiel Adalbert Stifters. Während der Promotionszeit war er zudem als Mitglied des Netzwerks PhD-Net „Das Wissen der Literatur“ wiederholt Gastwissenschaftler an der Humboldt Universität zu Berlin. Von 2012 bis 2014 war er in Princeton Lecturer im Fach Germanistik. Aktuell arbeitet er an zwei größeren Forschungsprojekten: ein Buch über historische Restaurierungen und geologische Rekonstruktionen in der Literatur des 19. Jahrhunderts, und eine Studie zur Rolle der Gattung „Epos“ in naturwissenschaftlichen Selbstdarstellungen.


Forschungsschwerpunkte

Geschichte und Theorie des Wissens; Literaturgeschichte 18. bis 20. Jahrhundert; Literatur- und Medientheorie; Theorien und Praktiken historischer Darstellung


Lehre

UNDL I/II/ EUL (Bachelor u. Master): Erziehung und Bildung im 18. Jahrhundert

Dr. Timothy Attanucci; Matthias Emrich

Kurzname: UNDL
Kursnummer: 05.067.919

Inhalt

Das Jahrhundert der Aufklärung gilt auch als Jahrhundert der Pädagogik. So naheliegend das Interesse der ‚Aufklärer’ an Erziehungs- und Bildungsfragen erscheint, so tiefgreifend sind die Veränderungen, die das Jahrhundert in Theorie und Praxis der Erziehung eingeleitet hat. Es entstehen nicht nur neue Erziehungskonzepte, sondern deren Gegenstand selbst – das Kind in seiner Kindheit – wird dabei auch erst erfunden. Es entsteht nicht nur der ‚Bildungsroman’ als Gattung der Literatur, sondern auch die gesamte Lesekultur erfährt durch solch neue Textsorten, aber auch durch Alphabetisierung und Medienwandel ein neues Gepräge. Die Übung erfolgt durch die gemeinsame Untersuchung gezielter Themenbereiche: u.a.  Philosophien der Erziehung (Locke, Rousseau, Lessing) und historische Semantik (insb. zu ‚Bildung’); literarische Gattungen (Roman, Fabel); Kinderliteratur (Bilderbuch, Fibel); Unterrichtsformen insbesondere unter dem Aspekt ihrer Medialität; Ausschlüsse aus den Bildungsinstitutionen (Gender) und Umgehungsstrategien (Autodidaktik, Salon). Ziel ist nicht nur das 18. Jahrhundert als Beispiel für eine im medialen und damit kulturellen Wandel begriffene Epoche kennenzulernen, sondern auch aus der Perspektive unserer Gegenwart ein neues Bewusstsein für die nach wie vor brisante Frage zu gewinnen, inwiefern wir durch Erziehung und Bildung unsere Gesellschaften reproduzieren oder gar verbessern wollen.

Voraussetzungen / Organisatorisches

Blockveranstaltung
Lektüre von historischen Quellen und Forschungsliteratur als Vorbereitung für die Seminarsitzungen.
Bibliographie wird bei der Infoveranstaltung am 17.11.2017 verteilt.
Bei der Infoveranstaltung werden auch Referatsthemen vergeben.

Termine:

Datum (Wochentag)UhrzeitOrt
17.11.2017 (Freitag)09.00 - 12.00 UhrÜR 01-471 (neben P109a)
1141 - Philosophisches Seminargebäude
12.01.2018 (Freitag)09.00 - 17.00 UhrÜR 01-471 (neben P109a)
1141 - Philosophisches Seminargebäude
26.01.2018 (Freitag)09.00 - 17.00 UhrÜR 01-471 (neben P109a)
1141 - Philosophisches Seminargebäude
09.02.2018 (Freitag)09.00 - 17.00 UhrÜR 01-471 (neben P109a)
1141 - Philosophisches Seminargebäude

Semester: WiSe 2017/18

Publikationen (Auswahl)

Monographie

Stories from Earth: Adalbert Stifter and the Poetics of Earth History. Diss. Princeton University, 2012.

Aufsätze

Atmosphärische Stimmungen: Landschaft und Meteorologie bei Carus, Goethe und Stifter. Zeitschrift für Germanistik 24.2 (2014) S. 34-47.

Kafka: Junggeselle – Maschine. Überlegungen zu einer historischen Kopplung. In: Literarische ‚Junggesellen-Maschinen’ und die Ästhetik der Neutralisierung. Hrsg. v. Annette Runte. Würzburg: Königshaus & Neumann, 2011, S. 169-185.

Der Junggeselle zwischen Familie und Amt: Kafka liest Stifter. In: Für alle und für keinen: Lektüre, Schrift und Leben bei Nietzsche und Kafka. Hrsg. v. Friedrich Balke, Joseph Vogl, und Benno Wagner. Berlin: Diaphanes, 2008, S. 149-160.

Rezensionen

Wie fragt man eine Datenbank des 18. Jahrhunderts ab? (zu Elisabeth Décultot (Hg.): Lesen, Kopieren, Schreiben. Lese- und Exzerpierkunst in der europäischen Literatur des 18. Jahrhunderts). Athenäum: Jahrbuch der Friedrich Schlegel-Gesellschaft 24 (2014) S. 223-228.

Zu Michael Gamper und Karl Wagner (Hg.), Figuren der Übertragung: Adalbert Stifter und das Wissen seiner ZeitArbitrium 31.1 (2013) S. 94-97.

Übersetzungen

Nikolaus Wegmann, Book Labyrinths: Searching and Finding in the Alexandrian Age (Arbeitstitel). Aus dem Deutschen übers. [Bücherlabyrinthe. Köln 2000], in Vorbereitung.

Raoul Moati, Derrida/Searle: Deconstruction and Ordinary Language, Aus dem Französischen übers. mit Maureen Chun. New York: Columbia University Press, 2014.